Alberti rockt die Jahrhunderte

Still life with fruit and a glass of wine candle and beethoven

Alberti-Bass – Musikalische Begleitfigur mit einer Folge von vier Tönen, die sich in gleicher Form immer wiederholen und sehr gut „in der Hand“ liegen wenn man sie auf dem Klavier spielt. Meist in der Reihenfolge „tiefer Ton – hoher Ton – mittlerer Ton – hoher Ton“, wobei der zweite und der vierte Ton oft gleich sind. So ergeben die beteiligten Töne zusammen einen sogenannten Dreiklang und damit eine Harmonie.

In den Noten dargestellt sieht es in etwa so aus, als wolle man jemandem das Jonglieren beibringen.

Alberti-Noten-Zeichnung

Benannt ist die Figur nach ihrem Erfinder Domenico Alberti (ca. 1710 – 1740). Sie hält sich seitdem beharrlich im Werkzeugkoffer der Komponisten von Klassik bis Rock.

Dialog der Meister

Johann Sebastian Bach (Auszug aus seiner Grabrede zum Ableben des Musicus et Compositorus Domenico Alberti zu dessen Beisetzung am 16. Oktober anno 1740 in Rom, gesprochen allerdings wegen Bachs Abwesenheit (der nicht kommen konnte da er gerade wieder einmal Vater wurde) von Farinelli, dem eben erst 25-jährigen Wunder menschlicher Sangeskunst):

… und zum Beschlusse sei gesagt: Es bleibe der Nachwelt überlassen, darüber zu befinden, in welcher Form der Dankesbezeugung sie sich verneiget vor ihm. In welcher Form! Nicht: Ob!

Soviel habe klar zu sein:

Dieser schon im 30sten Jahre seines jungen Lebens verschiedene Meister des Gesanges und der Composition, Domenico Alberti, hinterlässt mit seiner Idee einer einfachen Tonfolge für die linke Hand ein Geschenk an die große Zunft der schaffenden Musiker, dessen sich noch in hunderten von Jahren selbst Künstler bedienen werden, die womöglich nicht einmal des Lesens und Schreibens von Noten mächtig sein müssen, und die gleichwohl musikalische Petitessen erfinden werden, welche zu spielen sich wiederum sogar jene wagen dürften, die, wie diese compositori dilettanti, den Schlüssel zu den Linien ebenso wenig zu deuten imstande sind wie das wunderbare und geheimnisvolle Geflecht aus Linien, Punkten, Kreisen und sonstigen Zeichen, welche der dem musikalischen Wissen geneigte und halbwegs gebildete Mensch denn als Notenschrift bezeichnet.

Domenico Alberti! 

Dein Bass wird unsere Nachfahren tragen durch ihre Kreativität!

Und mehr noch: Die submisseste Dankesbezeugung hat gerade dem Umstand zu gelten, dass es auch noch dem Bäckersgesellen möglich sein wird, seinen musischen Inventionen, so sie denn überhaupt vorhanden, durch Harmonie in bewegter Art auf dem Claviere eine begleitende Bereicherung zuzugesellen…“

Im Anschluss dann, auf dem einem jeden Begräbnis folgenden Gelage, soll sich Folgendes zugetragen haben:

Mitten in die durch förmliche Höflichkeiten geprägte und daher etwas gestelzt sich voran quälende Konversation zwischen dem Kastraten Farinelli, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und Belá Bartók, in welcher einzig Beethoven den anderen ständig dazwischen redete ohne sich an die stillschweigend geltende Übereinkunft zu halten, andere selbst dann ausreden zu lassen, wenn einem gerade nicht passt, was der oder Jener zum Besten gibt – eine Regel, der sich zu unterwerfen sogar der Kommunikations-Quirl Mozart durch seinen Vater Leopold anerzogen bekommen hatte und die zu den wahrhaft sehr wenigen Prinzipien gehörte, an welche er, Wolfgang Amadée, bereit war, sich zu halten – mitten in genau diese Situation hinein also platzt plötzlich mit einem lauten Knall wie ein Böller aus dem Nichts ein junger Mann mit Kapuzenpullover und sagt:

Alan (Walker): „Bin ich jetzt wirklich zu spät? Ist er wirklich schon tot? War doch nur ein Jahr älter als ich es jetzt gerade bin!“

Farinelli, Wolfgang Amadeus, Ludwig van und Béla (nach kurzem, Schreck-verdauendem Innehalten, fast wie aus einem Munde): „Und wer, bitte, sind Sie?“

Alan: „Oh, sorry: ich bin Alan. Alan Walker. Ich hab gerade mit ein paar schönen Sounds einen wunderbar traurigen Song produziert, der, um in die Charts zu kommen, noch gesungen werden muss. Hab dann bei EinfachMusik gehört, dass das, was ich da auf dem Keyboard spiele, Alberti-Bass heißt nach Domenico Alberti und dass der Mann auch singt. Dachte, das passt doch, cool, dann frag ich den mal, ob er meine vocals singt. Und nun ist der eben gestorben. Schade, schade, zu spät!“

Ludwig van, schon länger ungehalten über den Redeschwall dieses so merkwürdig gekleideten und noch sehr jungen Herren (vor allem die Schuhe aus einer Mischung von Stoff-Gewebe und einem milchigem, gummiartigen Material schienen ihm vollkommen unpassend auf einer Beerdigung in Rom), platzt nun heraus: „Halt! Das geht zu weit! Das, was er da gerade gesagt hat, wird mal als meine letzten Worte in die Geschichte eingehen!! Es steht ihm nicht zu, das hier jetzt so nebenbei zu verbraten!!!“

Alan (freundlich, aber in völlig unpassendem Ton): „Letzte Worte? Geschichte? Und wer bist Du, darf ich fragen?“

Wolfgang Amadeus: „Sie kennen ihn nicht??? Das ist Beethoven! Der Meister, der mit seiner „Sinfonia-Eroica“ Anfang des nächsten Jahrhunderts mal dafür sorgen wird, dass Haydn darüber sagt: Von nun an ist alles anders in der Musik!

Alan: „Du bist Beethoven…?“

Farinelli (höflich, aber sehr bestimmt): „Sie, bitte. Sie. Wollen Sie höflichst dafür sorgen, dass Ihr Aufenthalt hier nicht in einem Desaster endet, nur weil Sie eine falsche Umgangsform wählten… Sie. Bitte!!“

Alan (nach kurzem Zögern): „Sie sind Ludwig van Beethoven? Der Ludwig van Beethoven?“
Ludwig van: “ Eben der. Und ich dachte eigentlich, dass man mich schon noch kennen würde zu seiner Zeit.

Alan (Schluckt. Dann): Klar kenne ich Sie! Ludwig van Beethoven. Wow! Aber wissen Sie, Sie sehen auf den ganzen Bildern irgendwie anders aus, und dann vermutet man hinter Ihrem Namen nicht einen Mann, der so klein ist. Sie sind doch gerade mal eins-sechzig oder so.

Ludwig van: „EinsZweiundsechzig! Wieso ist das bitte wichtig?!“

Alan: „Naja, solche Giganten der Geschichte stellt man sich automatisch irgendwie immer größer vor.“

Ludwig van (holt gerade ganz tief Luft für eine passende Antwort): ….

Farinelli (reagiert geistesgegenwärtig und wechselt schnell das Thema): „Und, bitte, was, sagten Sie, führt Sie also her?“

Alan: „Ich bin DJ …“
Béla: „…DJ?“
Alan: „Disc-Jockey…“
Wolfgang Amadeus: „…Scheiben-Reiter?“
Ludwig van (mit mürrischem Audruck):Et ascensorem ejus in disco.“
Alan (verwirrt): „Hm…?? Also, ich lege auf. Platten.

Béla: „Ach, ja, ich glaube, ich verstehe… (zu den anderen drei): “ Ich erkläre Ihnen das später.“

Alan: (zu Béla) „Danke… . (wieder zu allen): Na, wie gesagt, ich brauchte für meinen Song noch ein vocal und kam auf die Idee, dafür Domenico Alberti zu fragen. Aber wenn der nun tot ist, wird das eben nix. Sonst kenne ich ja hier niemanden und nehme dann wohl doch lieber jemanden aus dem 21. Jahhundert.“

Wolfgang Amadeus: „Fragen Sie doch mal Farinelli. Einen besseren finden Sie nicht! Ist allerdings nicht ganz billig. Und stark in Anspruch genommen, wird wahrscheinlich keine Zeit haben.“

Farinelli (geschmeichelt, zu Wolfgang Amadeus):„Nun, ich denke, dass er eine männliche Stimme sucht, sonst hätte er nicht nach Domenico gefragt.“

Alan: (zu Farinelli) „Sind Sie kein Mann?“

(Die Übrigen schweigen betreten, nach einer Weile nimmt Bartók Alan beiseite) Béla: „Wir treffen uns bei Gelgenheit mal frühe Mitte des 20. Jahrhunderts, dann erzähle ich Ihnen ein wenig darüber, warum diese Frage hier gerade ein sicherer Sprung in den Fettnapf war. Nur soviel: Farinelli ist Kastrat und singt mit frauengleicher Stimme.“

Alan: „Upps – das ging ja dann daneben…!
War wohl nicht so gut, mein kleiner Ausflug hierher. Aber die Idee mit der Frauenstimme… (überlegt einen Moment) …ist vielleicht gar kein schlechter Gedanke. Genau. Ich frag mal Iselin Solheim. Die singt super! Passt eigentlich sogar noch viel besser zum Text als eine Männerstimme! Sagen Sie den anderen bitte einen Gruß von mir und dem Farinelli, dass es mir wirklich leid tut? Wollte ihn nicht kränken! Aber jetzt muss ich los, Iselin anrufen.

Ludwig van (gerade hinzu tretend, während Alan Böllerknall-gleich gerade verschwindet): „Wen will er anbrüllen? Eine Frau?! …Untersteh er sich!“

Music vector explode background with note, easy all editable

 

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