Drei Töne bitte, Herr Ober. Aber natürlich…

Reihe drei verschiedener Weine im Glas

Ober-Töne. Was kann es damit anderes auf sich haben als Töne, die oberhalb von etwas sind. Höher als irgendetwas anderes, das dabei auch noch im Spiel ist.

Und es stimmt: genau darum geht es hier.

Jeder, wirklich jeder Ton, ja jeder Klang, jeder Laut, der uns umgibt, hat sie. Sie sind ein Werk der Natur und werden daher auch Naturtöne genannt.

In diesem Falle dann ist aber auch ihr jeweiliger „Unter“ mit dabei, auf dessen Grund sie stehen.

Der heißt dann Grundton – und zusammen ergibt das die Gleichung:

Grundton + Obertöne = Naturtonreihe.

Junger freigestellter Essigbaum vor weißem Hintergrund

So ein bisschen wie bei einem Baum, bei welchem wir uns den Stamm als Grundton denken, von dem sich die Äste immer weiter verzweigen, die alle kleiner sind als dieser und von denen keiner denkbar wäre, ohne seine Verbindung zum Stamm.

Obertöne.

Sie machen es aus, ob wir einen Klang als angenehm wahrnehmen. Jeder Ton hat viele davon, je mehr es sind, als umso farbenreicher empfinden wir den Klang.

Mehr noch: durch sie erkennen wir den individuellen Klang eines Instrumentes, sie lassen uns erkennen, ob die Melodie, die wir hören, von einer menschlichen Stimme gesungen wird oder ob sie vielleicht von einer Geige, einer Flöte oder womöglich von einem Instrument gespielt wird, das uns bislang ganz unbekannt ist.

Abgesehen davon, dass Männerstimmen meist tiefer klingen als Frauenstimmen, sind die Obertöne es, die uns helfen, eine bestimmte Stimme herauszuhören, jemanden an der Stimme zu erkennen.

Jedes Musikinstrument, jede menschliche Stimme, jedes Geräusch hat seine ganz eigene Zusammensetzung von Obertönen.

Eine besondere Kunstform des Gesanges erlaubt es ihren Ausübenden, mit den in der Stimme verborgenen Obertönen zu spielen, sie so stark in den Vordergrund dringen zu lassen, dass sie stärker wahrzunehmen sind als der eigentliche tiefe Ton, dessen Obertöne sie sind.

Ein faszinierendes Beispiel liefert dieser junge Mongole.

Die Töne der normalen Lage, mit denen er seinen Gesang beginnt, bergen bereits in sich all die hohen Töne, die er dann wenig später so kunstvoll und kräftig erklingen lässt, dass man meint, er würde pfeifen. Und tatsächlich singt er kurz darauf sogar besonders tief – und zeigt uns hier den Klang des Bereiches seiner Stimme, der die Grundtöne bietet für das Hervorzaubern seines Obertongesanges.

Es ist gleichsam der Baum-Stamm seiner Stimme, von dem aus er eben gerade einige Äste ganz einzeln präsentiert hat.

Mit der Saite einer Gitarre, einer Geige, aber auch eines Klaviers lässt sich da herrlich herumexperimentieren und derjenige physikalische Effekt hervorzaubern, durch den die Obertöne entstehen.

Violine

Man kann hier die vier Saiten der Geige gut erkennen. Sie liegen an zwei Punkten auf, über die sie gespannt sind, dazwischen schweben sie frei und können dadurch schwingen, wenn sie gestrichen oder gezupft werden.

Erst einmal tun sie das in ihrer ganzen Länge.

Aber eben nicht nur. Sie schwingen auch in vielerlei Unterteilungen – gleichzeitig, während die ganze Länge schwingt, entstehen so jede Menge leiserer, höherer Töne.

Alle diese automatisch schwingenden Teil-Abschnitte der Saite sind natürlich kürzer als die ganze Saite. Der Längste davon entspricht genau der halben Länge der Saite, der nächste einem Drittel und immer so weiter, bis in feinste Teile.

Und weil es bei den Saiten nicht anders ist als zum Beispiel bei den Flöten, bei denen auch die kleineren die höheren Töne erzeugen, sind auch hier die Töne höher, je kürzer der Abschnitt der Saite ist.

Ihre Tonhöhe befindet sich oberhalb derer des Ausgangstons, ihres jeweilgen Grundtons also – wie die einzelnen Äste und Zweige sich oberhalb des Stammes fortsetzen. Und daher haben sie ihren Namen bekommen.

Obertöne eben.

der Wächter, Schaf unter Schafen

Dialog der Meister

Antonio Stradivari (Berühmtester Geigenbaumeister des 17. Jh.): Ich brauche neue Saiten, hast du ein Schaf geschlachtet?
Der Metzger von Cremona: Erst in drei Tagen wieder, Maestro. Dann leg ich euch einen schönen Darm zur Seite.
Stradivari: Vergiss nicht, ihn mit Asche zu waschen, bevor du ihn schneidest und verdrehst. Schleifen werd ich ihn mir dann selber.
Der Metzger: Und aus dem Rest ein paar leckere Saitlinge?
Stradivari: Frankfurter oder Wiener?
Der Metzger: Nürnberger.

Leckere Rostbratwrste auf Sauerkraut in der Eisenpfanne serviert

Stradivari (läuft das Wasser im Munde zusammen): Du weißt mich immer wieder zu überraschen mit deiner Fleischerkunst.
Der Metzger (ein bisschen stolz): So wie Ihr mich jedesmal mit dem Klang Eurer Instrumente, Meastro!

Guten Appetit!

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit – und gute Musik!

Ihr
Stefan Malzew

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