Musik-Remix – Ketchup vs. Gourmet?

Pommes Frites

Zugegeben: Es gibt ein paar Dinge zum Essen, die werden durch das Hinzufügen von Ketchup tatsächlich verfeinert.

Treffen Sie Ihre Wahl:

Ziemlich sicher werden Sie aus diesem Angebot hier diejenigen herausfischen, bei denen die Mischung aus viel Zucker, Aromastoffen und manchmal sogar ein paar Tomaten eine allgemein akzeptierte Bereicherung darstellt.

Und: bei welchen nicht!

Was ist ein Remix?

wurst in brötchen

Remixe werden zu einer immer häufger auftauchenden musikalischen Form, die zunehmend auch in den besser platzierten Titeln in den Charts mitmischen.

Bei einem Remix wählt sich jemand eine Komposition (meist die eines anderen), und nutzt deren bereits existierende musikalische Elemente, um sie anders anzumixen als das im Original der Fall ist.

Geflgelbrust - Entenbrust & SchokoladensauceHierbei bleiben harmonischer Verlauf und Melodieführung meist relativ gleich gegenüber der Vorlage und werden oft schlicht ergänzt durch einen recht harten Beat, der somit zum dominierenden akustischen Element wird und die Vorlage in die zweite Reihe verdrängt.

Der technische Vorgang basiert darauf, dass viele Songs im Studio so produziert werden, dass die einzelnen Instrumente oder Gesangslinien nacheinander aufgenommen werden, bevor sie dann übereinandergelegt, auf einander abgestimmt und veröffentlicht werden.

Der Remixer bedient sich für seinen Arbeitsprozess dieser einzelnen „Tracks“, also der separaten Aufnahmespuren des Originals, und verändert sie nach seinen Vorstellungen.

Er kann sie schneller oder langsamer abspielen, einzelne kleine Passagen oder auch nur Töne herausschneiden und neu ordnen, klanglich verändern oder einfach nur immer wieder wiederholen.

Das klingt durchaus danach, dass hierbei ein eigenständiges Kunstwerk entstehen könnte. So etwas wie eine Collage aus musikalischen Einzelteilen eines bereits exisitierenden Stücks.

Letzlich ist ein Remix eine Variation des Originals.

Dieser Vorgang ist in der Musik seit Jahrhunderten gang und gäbe: Ein wunderbar berühmtes Beispiel dafür ist ein Stück von Niccolò Paganini für Solo-Geige: seine 24. Caprice in a-moll, hier in einer massenbegeisternden Aufnahme mit Maxim Vergerov.

An sich schon bei Paganini eine Folge von Variationen beweist dieses Original-Thema, dass es das Potenzial für das hat, was heute passiert, wenn Remixe entstehen – mit dem gravierenden Unterschied, dass die unten stehenden Komponisten, die dieses Thema remixed haben, tatsächlich eigene Kunstwerke geschaffen haben.

Wenn Sie mögen,

ist hier eine Liste zusammengestellt zum Erleben einer Auswahl an wunderbaren musikalischen Ergebnissen, zu welchen diese kleine Paganinische Melodie angeregt hat:

Johannes Brahms erfand daraus etwas für Klavier.

Sergej Rachmaninov schrieb seinen Remix des Themas für Klavier und Orchester.

Ganz etwas anderes und irgenwie unfassbar gut! Fazil Say.

Was es nicht alles gibt: Drama frei nach Paganini für großes Blechblasorchester von Philip Wilby.

Und hier noch etwas ganz Besonderes für Klavier und Orchester von Witold Lutoslawski

In dieser Version von Boris Blacher erklingt zu Beginn nochmal das Original für eine einzelne Geige – und dann spaziert die Musik ihre eigenen Orchester-Wege.

Zum Abschluss dieser kleinen Auflistung noch dies hier von Franz Liszt in einer PopArt-Performance mit Lang Lang am Klavier.

Alles Remixe.

Musician Niccolo Paganini.Und doch unterschieden sie sich gravierend von dem, was in der heutigen Chart-Welt leider oft geschieht, wenn ein Titel als Remix in den Hits landet:
Jedes der Stücke dieser Paganini-Remix-Liste ist ein individuelles, ausgearbeitetes Kunstwerk, das einen musikalischen Gedanken Paganinis weiterdenkt, transformiert, ausformuliert und ihm eine neue und jeweils eigene Individualität verleiht.

Die Pop-Chart-Remix-Welt bietet leider meistens lediglich einen Vorgang, der zu beschreiben wäre als

Mona Lisa mit Filzstift

Gioconda a Carnevale

Ein dicker fetter Marker – und damit zieht dann jemand die Linien des Gesichtes von Leonardo da Vincis berühmtem Gemälde nach.

Musikalisch gesehen: Dem Original wird ein lauter Beat hinzugefügt, der dann während des ganzen Stücks hämmert, meist wird das Tempo des Stücks etwas erhöht, damit es sich danach besser tanzen lässt oder es aus dem Radio besser den Alltagslärm umschifft – und so ist von eventuellen Feinheiten der Ausgangskomposition nicht mehr viel übrig.

Ketchup auf den fein angerichteten Teller mit erlesenen Speisen.

Oder?

Wie z.B. bei Catch & Release von Matt Simons, zu finden im HitView auf EinfachMusik.de. Hier lohnt es sich, dem Orignal zu lauschen anstelle des Remixes – und sich daran zu erfreuen, wieviel Idee in den Klängen steckt und zu erleben, was Musik alles kann!

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit – und gute Musik!
Ihr

Stefan Malzew

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