Synkopen hinken

Synkope ist ein Begriff aus der weiten Welt des musikalischen Rhythmus, der sein Wesen dadurch offenbart, dass die von uns als natürlich empfundenen Betonungen und Schwerpunkte bewusst durcheinander gebracht werden.

Herrliches Beispiel eines Meisters dazu ist der Entertainer von Scott Joplin, ein Stück, das so unterhaltsam ist, dass es seinen Namen absolut verdient.

Hören Sie es sich ein wenig an, bevor Sie weiter lesen und achten mal dabei auf jeden Ton der Melodie, der Ihnen länger erscheint als die andern – wie z.B. gleich am Anfang der vierte Ton. Dieses heitere Überraschungsspiel mit unvermittelt längeren Tönen vermittelt Ihnen schnell ein schönes Gefühl dafür, worum es in der Musik geht, wenn Synkopen ins Spiel kommen.

Stethoscope on the white background. Healthcare and medical.

In der Medizin verwendet man das Wort ebenso- und auch wenn es dort einen weniger gesunden Vorgang beschreibt, meint es etwas ähnliches, nämlich eine kurzzeitige Ohmacht, die durch eine Störung des Herz-Rhythmus entsteht.

Verstehen lässt sich die Bedeutung dessen was sich hinter dem Begriff verbirgt am besten durch ein Spiel mit dem Wort selbst.

Machen wir ein Experiment:

Sprechen Sie das Wort

Syn-ko-pe

und betonen Sie dabei die zweite Silbe etwas. Naturgemäß werden Sie alle drei Silben etwa gleich schnell formulieren, so dass der Klang des  Wortes beim Sprechen gleichsam fließt.

Das ist die normale Aussprache für dieses Wort.

Und nun drehen wir ein bisschen an den Reglern für Tonlängen und Lautstärke.

Schritt 1:

Verlängern Sie die zweite Silbe so weit, dass sie doppelt so viel Zeit bekommt wie bisher.

Syn-ko-o-pe

Schritt 2:

Drehen Sie den Lautsärkeregler für diese nun verlängerte Silbe etwas herunter, und dafür den für die erste Silbe deutlich nach oben.

Syn-koo-pe

Damit bekommt das Wort seine Hauptbetonung, also seinen musikalischen Schwerpunkt, nun an den Beginn und mittendrin eine Verlängerung des Klanges. Das Ergebnis stoplert so ein weinig im Ablauf, und genau das ist es, was eine Synkope ausmacht.

Als Hilfestellung dient es, wenn Sie z.B. gliechmäßig leicht klatschen beim Sprechen so dass das Wort vier Klatscher benötigt um einmal gesprochen zu werden, wovon zwei auf die mittlere Silbe entfallen. Und wenn Sie es noch stärker unterstützen möchten, tappen Sie jedesmal bei der ersten Silbe mit dem Fuß.

Um es so richtig stark zu empfinden, wiederholen Sie das nun unmittelbar hintereinander. Eine Synkope nach der anderen.

Womit Shawn Mendes seinen Song Stitches und Mozart sein d-moll-Klavierkonzert beginnt, ist eine Figur, bei der dieser Stolperer gleich mehrfach hintereinander geschieht. So als würden Sie unser Wortexperiment so sprechen:

Syn-koo-koo-koo-pe

und das immer wieder hintereinander. Wenn Sie dazu klatschen, haben Sie insgesamt acht mal geklatscht, bevor dann mit der Silbe Syn das nächste mal der Fuß auftappt.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß, eine gute Zeit – und gute Musik!

 

Ihr

Stefan Malzew

 

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