Ostinato

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Das Wort kommt aus dem Lateinischen und meint ungefähr folgendes (bitte auf den Ludwig achten):

Dialog der Meister

Johann: „Du, Ludwig, ich würde gern heute Abend mit Dir irgendwo was essen gehen.“
Ludwig: „Geht leider nicht, ich will an meiner Klavier-Sonate op. 2 Nr. 3 komponieren. Hab grad eine schöne Idee für den ersten Satz.“
Johann: „Und wenn wir etwas früher gehen und Du schreibst das danach auf?
Ludwig: „Geht leider nicht, ich will an meiner Klavier-Sonate op. 2 Nr. 3 komponieren. Hab grad eine schöne Idee für den ersten Satz.“
Johann: „Und morgen Abend?“
Ludwig: „Geht leider nicht, ich will an meiner Klavier-Sonate op. 2 Nr. 3 komponieren. Hab grad eine schöne Idee für den ersten Satz.“
Johann: „Hm. Wie wär’s denn dann mal mittags?
Ludwig: „Geht leider nicht, ich will an meiner Klavier-Sonate op. 2 Nr. 3 komponieren. Hab grad eine schöne Idee für den ersten Satz.“
Johann: „Und … ach was, ich ess alleine!“

Hartnäckig.

Was Ludwig hier macht, ist ein Ostinato. Überall da, wo sich in der Musik eine bestimmte Tonfolge hartnäckig und ununterbrochen immer wieder wiederholt, geht es um ein Ostinato. Das zieht sich durch alle Musikstile, auch wenn es immer mal anders genannt wird.

Bei einem Musikstück, das von Vornherein darauf angelegt ist, dass sich der immer gleiche Bass wiederholt, findet sich dafür schon im Namen der Begriff

Passacaglia (sprich: Passakallja).

Wenn es eine ganze Harmoniefolge ist, die sich um sich selbst dreht, heißt es

Chaconne (sprich: Schakonn).

Passacaglia und Chaconne sind ursprünglich mal Bezeichnungen für Volkstänze gewesen, bevor sich die Begriffe dann ihre Bestimmung in der Kunstmusik gesucht haben.

Über eine weite Strecke hat auch  Adeles „Hello“ die Form einer Chaconne – gerade so lange, bis der Refrain einsetzt – (Hello from the other side…) und dann, wenn es wieder wie von Beginn an klingt. Hören Sie auf die ersten vier Akkorde – Sie werden merken, wie die sich immerzu wiederholen. Chaconne.

Eines meiner Lieblingsstücke dieser Form ist dieses hier, die Passacaglia für Geige und Violoncello von Johan Halvorsen über ein Thema von Georg Friedrich Händel:
Einmal gespielt von zwei Großmeistern der Vergangenheit, Jascha Heifetz und Gregor Piatigorsky: und einmal von Julia Fischer und Daniel Müller-Schott, zwei großartigen Musikern des aktuellen Musiklebens.
So unterschiedlich die musikalischen Charaktere während des Stückes auch sind – es ist immerzu dieselbe Folge von Harmonien. Wunderbar!

 

Im Jazz wird ein solcher musikalischer Vorgang als

Vamp

bezeichnet – herrliches Beispiel ist „Take five“ von Dave Brubeck. Da gibt es erst dieses berühmte Thema und dann spielt jeder der Musiker sein Solo über einer Begleitfigur, die harmonisch, rhythmisch und vom Bass her immerzu die Gleiche bleibt.
Ab Sekunde 53 ist es ein Ostinato oder eben Vamp.

 

Und in der Popmusik?

Da nennt sich das Ostinato:

Riff

Hier gibt es eine ziemlich beeindruckende Zusammenstellung von 100 Gitarrenriffs, präsentiert in einem Video von Alex Chadwick. Er spielt sie alle hintereinander, aber man erkennt trotzdem recht gut das Prinzip der Wiederholbarkeit jeder einzelnen Figur. Und man entdeckt dabei eine ganze Reihe alter Bekannter…

Auch das, womit Deep Purple sein „Smoke on the Water“ beginnt, ist ein Riff (taucht in der Zusammenstellung von Alex Chadwick auch auf natürlich). Und was für eins!

Und wer es extravagant mag: Hier ist eine Version des selben Songs in Gigantenbesetzung: Deep Purple, Eric Clapton, Led Zeppelin und das London Symphony-Orchestra. Großartig!!!

Für den Abend

Zum Abschluss noch ein eher zartes Ostinato. Wir kennen das Stück als „Pachelbel-Kanon“ (Was genau eigentlich ein Kanon ist, findet sich hier auch demnächst in der Tonküche). Das besondere an diesem Kanon ist der Umstand, dass während des ganzen Stücks ein zusätzlicher und immer gleich bleibender Bass  erklingt – und dadurch aus dem Kanon eine Passacaglia macht.

Ein herrliches Beispiel für ein Ostinato im Bass.

Viel Vergnügen beim Anhören – und bis auf ein andermal in der TonKüche!

Ihr Stefan Malzew

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