Stefan Malzew

Stefan Malzew ist Initiator und geistiger Kopf hinter EinfachMusik.

Ein Dirigent in seinem ursprünglichen Selbstverständnis

Sein Berufsweg als Dirigent führte ihn über das Schweriner Staatstheater in den 80er und 90er Jahren und eine kurze Zeit am Stadttheater Gießen hin zu zuletzt vierzehn Jahren als Chefdirigent der Neubrandernburger Philharmonie. Die meisten dieser Jahre hatten das weite Feld der klassichen Konzertliteratur ebenso zum Thema wie das Repertoire des Musiktheaters in all seinen Facetten, vom Musical bis zur großen Oper, von der Operette bis zum klassischen und modernen Ballett.

Während dieser fast dreißig Jahre als Dirigent gab es ein ständiges Suchen und Betätigen auch in anderen musikalischen Feldern und Genres. In Verwandschaft zu dem Berufsverständnis eines Dirigenten früherer Zeiten gehörte das Komponieren ebenso zu seinen Betätigungen wie das aktive Musizieren als Kammermusiker und auch als Solist am Klavier. Die Ausübung von Musik als gesellschaftliche Funktion für die Steigerung der Lebensqualität aller Menschen des sozialen Umfeldes steht dabei genauso im Mittelpunkt wie die Verpflichtung gegenüber der Tradition und dem Präsentieren überlieferter Kunstwerke der Musik.

Klavier, Klarinette, eine Zeit lang Saxophon, später auch Vibraphon und neuerdings Akkordeon waren und sind instrumentale Begleiter durch sein Leben und liefern ihm die Erfahrung des „Selbst-Musizierens“, die den Dirigenten der heutigen Zeit oft abhanden gekommen ist.

Die Wurzeln

Aufgewachsen in einem durch die Berufe als Profimusiker geprägten Elternhaus war der später beschrittene Pfad schon abzusehen. Die Besuche von Proben der Berliner Staatskapelle, in die er seinen Vater, der dort als Geiger spielte begleitete, waren für den Fünfjährigen häufiger als der Weg in die Kindergartengruppe. Die Intensität des dort Erlebten war ein Impuls zum Hinterfragen von musikalischen Zusammenhängen sowie klanglichen Erlebniswelten und deren Zustandekommen, der nie wieder abreißen sollte. Das Studium an der Ost-Berliner Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ folgte einer Kindheit, die bereits vollständig durch die Beschäftigung mit Musik bestimmt war.

Die Musik und das Wort

Der Drang danach, das „Was und Wie“ der Musik Menschen näher zu bringen, die von sich aus noch keinen Zugang zu den Geheimnissen und Hintergründen der Musik haben, führte schnell dazu, dass Stefan Malzew das tradierte Format des klassichen Konzertes weiterentwickelte zu Veranstaltungen mit einem hohen Kommunikationsanteil. Die Vermischung von musikalischen Stilrichtungen gehört zu diesem Konzept genauso wie die Einbindung außermusikalischer Themen, deren enge Verknüpfung mit der Welt der Musik sich dabei oft in erstaunlicher Weise offenbart. So treffen in seinen Konzerten bisweilen Magier und Schamanen genau so auf Orchestermusik wie Wissenschaftler oder Überlebenskünstler. Und neben der Orchester- und Kammermusikliteratur kann schon auch mal ein DJ auftauchen, der sich dann unversehens in eine musikalische Verknüpfung mit Beethovens siebter Sinfonie verstrickt sieht.

Aus diesem Antrieb heraus entstand Ende der „Zweitausend-Nuller“ Jahre das Online-Projekt „Stefans Musikworkshop“, das auf YouTube veröffentlicht wurde und sich mit kurzen Videos über Zusammenhänge zwischen aktuellen Popsongs und klassischer Musik in lockerer Folge alle paar Wochen an ein junges Publikum richtete. Bald waren es Menschen sehr verschiedenen Alters, die dieses Format lieb gewannen und im Laufe der Zeit fand das Projekt eine Aufmerksamkeit, die zur Verleihung des „junge-ohren“-Preises, des Deutschen Web-Video-Preises und einer Grimme-Online-Award-Nominierung führten.

Dazu kamen im Laufe der Zeit eigene Rundfunksendungen auf DRadio Kultur (Musikminuten bei Kakadu) und NDR 1 Radio MV (im Kunstkaten).

Nicht zuletzt die dabei gemachten Erfahrungen führten zu der Idee, sich mit EinfachMusik auf einer breiteren Ebene und in viel strukturierterer Herangehensweise der Verwirklichung und Umsetzung eines Hauptanliegens zu widmen: Menschen aller Altersgruppen und jeglicher stilistischer Vorlieben die Hintergründe der Musik näher zu bringen und die Lust am genauen Hinhören zu fördern.

Ausflüge

Seine Kenntnis und Flexibilität im Umgang mit diversen Stilrichtungen waren und sind Basis für Projekte auch mit Künstlern, die weit ab der Klassik zuhause sind. So entstand „MoJazzArt“ für die NDR-Bigband, ein komplettes Programm mit Musik von Mozart in unerhörtem Gewand.

Gemeinsam mit Ute Lemper und dem Vogler-Quartett spielte er die CD „Paris Days – Berlin Nights“ ein, die ausschließlich von ihm geschriebene Arrangements enthielt und 2013 eine Grammy-Nominierung bekam.

Für die Pianistin Ragna Schirmer entstanden Bearbeitungen von Händel’schen Orgelkonzerten für Hammondorgel und ein um Streicher erweitertes Jazzensemble.

Kürzlich wurde ein Projekt unter dem Titel „Erlkönigs Verwandlung“ erfolgreich aufgeführt, bei dem von Stefan Malzew für den Schauspieler und Sänger Dominique Horwitz und ein Kammerensemble geschriebene Bearbeitungen klassischer Kunstlieder von Schubert, Schumann und Brahms zu hören waren.

Die Vision

Das erkennende Hören von Musik bietet viel mehr als nur interessantes Beiwerk im Leben. Sich in Musik zu versenken wirkt wie eine Meditation, wie ein sich immer tiefer Hineinversetzen in die Urmechanismen des Lebens, der Welt.

Alles begann einmal mit einem lauten Geräusch, dem Ur-Knall. Und in ununterbrochener zeitlicher und räumlicher Folge ist seither alles Existierende verbunden durch Schwingung, durch Klang.

Die Beschäftigung mit Musik ist gleichzeitig ein Weg zum intuitiven Verständnis der Welt.

Sich dieser Erschließung des Universums zu nähern, dazu lädt Stefan Malzew ein. Ohne den Anspruch, diesen Weg jemals bis zu Ende gehen zu können. Aber mit der absoluten Gewissheit, dass am Rande dieses Pfades für jeden immer wieder neue un-erhörte Geschenke auftauchen.